Fernweh

MOROCCO
PASTELS

PHOTOGRAPHY:
JAN PRENGEL

www.janprengel.com
www.instagram.com/janprengel
www.tappancollective.com/collections/jan-prengel

 

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FOTOS: Jan Prengel
TEXT: Julia Cretu

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Wenn Jan an Marokko denkt, schweift sein Blick in die Ferne. Er erzählt von den Gerüchen, die man wahrnimmt, wenn man durch die Straßen läuft, von den unterschiedlichen Gewürzen, von Lärm und Chaos, von den engen Gassen, in denen man sich verläuft wie in einem Labyrinth und von versteckten Orten und Stille: „Es ist eine ganz andere Welt. Das inspiriert mich total, etwas Kreatives zu machen und etwas zu erschaffen.“

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Am meisten schwärmt der Fotograf von dem besonderen Licht und den Farben: „In Marokko gibt es Farben, die man nirgendwo anders findet. Die Altstadt von Marrakesch ist beispielsweise umrandet von einer roten Mauer. Das alleine gibt schon viele Motive. Marrakesch ist wie ein großer Markt. Du läufst durch die engen Gassen, neben dir fahren Motorroller, du musst immer zur Seite springen, damit du nicht umgefahren wirst. Das ist nach ein paar Tagen stressig, aber dann wiederum gehst du durch eine Tür in einen Innenhof und dann ist da plötzlich eine Oase der Ruhe, mit Palmen, Pflanzen, Vögeln, du kannst dort gemütlich deinen Tee trinken und durchatmen.“
Vor Ort ist es nicht immer leicht zu fotografieren. An jeder Ecke stehen aufdringliche Händler, die einem etwas verkaufen wollen.
„Ich habe einmal sogar einen Teppich gekauft. Man wird zu einem Minztee in ein Hinterzimmer eingeladen, da fühlt man sich wohl und dann kauft man auch mal einen Teppich, Tees, Gewürze oder Schmuck.“ Jans Tipp an alle, die nach Marokko wollen: „Nimm viel Geld mit. Und einen starken Willen, damit du nicht alles kaufst.“

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Die Bilder der Strecke „Morocco Pastels“ sind hauptsächlich in Marrakesch entstanden und ein kleiner Teil in Essaouira, einer Stadt am Meer, sowie auf den Wegen dort hin. Die Reise nach Marokko war eine reine Fotoreise. Jeden Tag fotografierte Jan zehn Stunden am Stück. „Natürlich macht es trotzdem viel Spaß. Es ist ja nicht nur Arbeit.“
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Die Kamera ist stets auf Reisen dabei. Sie hängt immer an seiner Schulter und wird auch nicht weggepackt. Man weiß ja nie. „Selbst wenn die Kamera aus ist, bin ich mit den Gedanken bei der Fotografie.“ Jan war alleine in Marokko. Nicht nur weil er es liebt, alleine zu verreisen, anders wäre das Fotografieren auch schwierig, wie der 27-Jährige weiß: „Wenn man fotografiert, steht man mal eine Stunde vor einem Motiv. Das würde ein Reisebegleiter nicht verstehen und auch nicht die Geduld dafür haben.“

Bevor der junge Fotograf auf Reisen geht, geht es erstmal an die Recherche. Das Konzept hinter einer Serie, die umgesetzt werden soll, steht, bevor das erste Bild aufgenommen wird. „Vor Ort ergibt sich der Rest. Da lasse ich mich treiben und gucke, was zu der Idee passt.“
Die Serie ist eine Hommage an die Farben des Orients. Sie soll dem Betrachter Ruhe und Wärme transportieren. „Obwohl auf den Bildern keine Leute oder viel Kultur zu sehen sind, bekommt man trotzdem das Gefühl von Sehnsucht und der magischen Atmosphäre Marokkos.“
Das Grundwerkzeug bekam Jan in seiner dreijährigen schulischen Ausbildung an der Lazi Akademie in Esslingen am Neckar mit. Das Gefühl für die Fotografie kam mit der Zeit. „Was man dort gelernt hat, war eher Produkt- und Werbefotografie, hauptsächlich im Studio und mit viel Blitzen. Das ist eigentlich nicht so mein Ding, aber ich habe dort die technischen Grundlagen gelernt.“

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Viel wichtiger, als die technische Seite, sei es, das Sehen zu trainieren. Dinge wahrzunehmen, die Andere nicht auf Anhieb sehen. „Das Technische sollte die Grundlage sein, aber nicht das Ziel.“ Die richtige Komposition zu finden, das steht für den Fotografen im Vordergrund.

Seit 2018 arbeitet Jan mit einer Galerie in Los Angeles zusammen. „Das ist genau das, was mir Spaß macht: rumzureisen, das zu tun, was ich im Kopf habe und meine Konzepte umsetzen zu können“, erzählt er. Die Galerie heißt „Tappan“ und seine Bilder werden vor Ort in L. A., aber auch online verkauft.

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2010 hat alles begonnen. Mit 18 Jahren, einer Digicam und Paris. „Dort habe ich alles fotografiert, was mir vor die Linse kam: Die Stadt, Menschen und allgemein viel Streetfotografie. Ich habe ein Bild gemacht von einem Mädchen, das mit einem Kinderwagen durch die Straßen von Paris gerannt ist und gemerkt: ‚Wow. Das löst etwas in mir aus! Das muss ich weiterverfolgen!’ “Das Bild hängt bis heute an seiner Wand und erinnert ihn an die Anfänge.

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Zu Beginn machte er viel Street-, Fashionfotografie und Portraits. „Das hat sich mit der Zeit verändert und wurde immer abstrakter.“ Irgendwann har er die Models auf den Bildern weggelassen. Heute fotografiert Jan vor allem Architektur und urbane Räume. „Ab und zu sind auch noch Menschen dabei. Aber dann liegt das Hauptaugenmerk nicht auf der Person, sondern auf der gesamten Komposition des Bildes.“

Die Bildbearbeitung ist ein großer Teil seiner Arbeit. Sie nimmt viel mehr Zeit in Anspruch, als die Fotografie an sich. „Ich brauche für ein einziges Bild, wenn ich es für den Druck aufarbeite, ein bis zwei Arbeitstage. Alleine für die Auswahl der Bilder, nach so einer Reise, benötige ich eine Woche.“ In die Marokko-Serie, die aus 23 Bildern besteht, hat er einen Monat investiert. Wie ein Bild schlussendlich aussehen wird, weiß der Künstler schon beim Fotografieren. „Wenn ich durch die Stadt laufe und ein Motiv sehe, das mich interessiert, gehe ich weiter und irgendwann fügen sich alle Elemente zusammen. Das kann man nicht in Worte fassen. Ich weiß dann: ‚Hier ist es genau richtig. Hier drücke ich jetzt ab. Jetzt ist es perfekt!‘

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JAN PRENGEL

*1992 in Ulm

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Foto: Nadine Renz